ÖZGÜRÜZ jetzt auch gedruckt 2018-03-09T11:38:12+00:00

ÖZGÜRÜZ Magazin Ausgabe #2

Leser werden täglich mit Meldungen bombardiert, werden unfähig gemacht, Lüge von Wahrheit zu unterscheiden, verlieren sich in Einzelheiten, wissen nicht mehr, aus welchem Blickwinkel sie die Ereignisse sehen sollen. Wir müssen ihnen Perspektiven anbieten, die ihnen helfen, das Geschehen zu deuten. Wir müssen in die Tiefe tauchen, ohne das Surfen aufzugeben, müssen die Schichten unter der Oberfläche offenlegen. Das bezweckt die Zeitschrift „#Özgürüz“.

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2017 war das schlimmste Jahr in der Geschichte der deutsch-türkischen Beziehungen. Die beiden Länder durchliefen eine Krise von nie dagewesenem Ausmaß. In beiden Ländern gab es Wahlen, und in beiden Fällen wurden die bilateralen Spannungen als Wahlkampfmaterial missbraucht. Letztendlich bleibt umstritten, inwieweit die Spannungen den politischen Führungspersönlichkeiten genutzt haben, aber fest steht: Die Beziehungen haben gelitten und man kam beinahe an den Punkt, wo man nicht mehr miteinander redet.

Einerseits hat Ankara die Bundesrepublik beschuldigt, Nazimethoden anzuwenden, andererseits hat Berlin der Türkei mit einem Wirtschaftsembargo und Tourismusboykott gewunken. Trotz der versöhnlichen Botschaften der beiden Außenminister sieht es danach aus, dass eine Normalisierung ein langwieriger Prozess werden wird.  Zumal unter den diplomatischen Spannungen zwei verschiedene Dynamiken wirken.

Die erste Dynamik bringt Schwierigkeiten in die Beziehungen. Hierhin gehören türkische Regierungspropaganda in deutschen Moscheen, die rege Tätigkeit des türkischen Geheimdienstes in der Bundesrepublik oder Erdoğans suggestive Äußerungen, dass türkischstämmige Deutsche bei der Bundestagswahl bestimmte Parteien bestrafen sollen. Dazu gehört aber auch der Umstand, dass die Bundesrepublik immer noch keine nachvollziehbare Türkeipolitik hat und von einem Punkt, wo man beinahe jeden Monat einen Staatsbesuch abstattet, sprunghaft zu der Position wechselt, wo es heißt, die Türkei gehöre nicht in die Europäische Union.

Die zweite Dynamik hingegen bewirkt, dass die Beziehungen nie ganz abreißen: Die Türkei ist für Deutschland ein unverzichtbarer Wirtschaftspartner und das deutsche Kapital – allen voran die Rüstungsindustrie – ist durch massive Wirtschaftsinteressen an die Türkei gebunden. Natürlich ist auch die menschliche Dimension Teil dieser Dynamik. Seit mehr als einem halben Jahrhundert leben die zwei Gesellschaften miteinander und sind ineinander verflochten. Hier die große türkeistämmige Gemeinschaft in Deutschland, dort die vielen Deutschen, die sich in der Türkei niedergelassen haben. Und eine neue Generation, die aus gemeinsamen Beziehungen hervorgegangen ist.

In dieser Ausgabe erwarten Sie spannende Artikel zu den historischen, politischen, wirtschaftlichen, verteidigungspolitischen, medialen und kulturellen Dimensionen der deutsch-türkischen Beziehungen. Manche von ihnen belassten sie eher, andere verhindern, dass sie gänzlich abreißen.

Auf dass 2018 ein Jahr der Freiheit und des Friedens werde.

Can Dündar

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