Deutsche Übersetzerin sitzt in der Türkei in Haft

Die deutsche Übersetzerin Meşale Tolu sitzt in der Türkei im Gefängnis. Nun schaltet sich die Bundesregierung ein. 

Nach dem Fall des inhaftierten Welt-Korrespondenten Deniz Yücel belastet die Verhaftung einer weiteren Deutschen in der Türkei das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara. „Dieser Fall macht uns Sorgen“, sagte  Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin.

Die 33-Jährige Meşale Tolu arbeitete in der Türkei als Übersetzerin für die linksgerichtete Nachrichtenagentur „Türkiye’de Etkin Haber Ajansı“ (Etha). Bereits am 30. April wurde sie festgesetzt. Eine Anti-Terror-Einheit soll gewaltsam in ihre Istanbul Wohnung eingedrungen sein, in dem sich auch Tolus zweijähriger Sohn aufhielt.  Seit dem 6. Mai sitzt sie im Istanbuler Frauengefängnis. Laut Angaben des regierungskritischen türkischen Nachrichtenportal Diken, ist Tolu im Zuge eines Einsatzes gegen Mitglieder der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP) und deren Jugendorganisation SGDF festgesetzt worden. Bei der Razzia, die im Vorfeld möglicher Proteste zum 1. Mai stattgefunden hatte, seien insgesamt 16 Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden.

Toll wurde in Ulm geboren. 2007 hatte sie die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und die türkische daraufhin abgegeben. Laut Angaben ihrer Familie habe Tolu nicht ständig in der Türkei gelebt. Ihr fester Wohnsitz sei in Neu-Ulm (Bayern).

Ihre Familie durfte sie bislang nicht direkt kontaktieren: „Wir dürfen sie nicht sehen, wir dürfen keine Besuche machen“, sagte ihr Bruder Hüseyin Tolu am Freitag dem Regionalsender Radio 7. Die Gründe für die Inhaftierung seien noch unklar. Bislang durfte Tolus Rechtsanwältin in Istanbul die Akten nicht sichten. Türkische Medien berichten, ein Richter hätte einen Haftbefehl wegen Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation erlassen. Selbst wenn Meşale Tolu eine Straftat begangen haben sollte, fordere die Familie ihre Überstellung an die deutsche Justiz, sagte ihr Bruder Radio 7.

Auch die Bundesregierung fordert nun Zugang zur deutschen Übersetzerin: „Für uns ist es wichtig, dass wir uns um sie als deutsche Staatsangehörige kümmern können“, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, am Freitag in Berlin.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind aktuell sechs deutsche Staatsbürger in der Türkei in Untersuchungshaft oder in Polizeigewahrsam. Vier von ihnen besitzen außerdem die türkische Staatsbürgerschaft. Dazu gehört der «Welt» Korrespondent Deniz Yücel. Ihm werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen.


Mit Material von dpa.

Veröffentlicht am 12. Mai 2017 

Die inhaftierte deutsche Übersetzerin Meşale Tosu. Bildnachweis: Facebook – Freiheit für Meşale Tolu – Meşale Tolu’ya özgürlük

Margherita Bettoni

2017-09-29T15:01:20+00:00